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Schöner Leben mit ... reindeer Section!
 
Hartz IV und Bildung - eine Übersicht
 - die Schere klafft immer breiter -

Die Agenda 2010 und die mit ihr einhergehenden Hartz-Reformen bilden den größten Angriff auf die sozialen Sicherungssysteme seit Bestehen der Bundesrepublik. Unverfroren krass und unverfroren offen saniert sich der Sozialstaat auf Kosten der ohnehin schon Ärmsten, senkt gleichzeitig den Spitzensteuersatz und bevorteilt damit die Besserverdienenden. 331 Euro bekommt eine ALG II-Empfängerin monatlich in Ostdeutschland, eine Summe, die die Menschen unter die allgemein anerkannte Armutsgrenze zwingt.

Die Reformen werden begründet und begleitet von einer Atmosphäre der Diskriminierung gegen, so oft unwillentlich gewordene, Erwerbslose. Und natürlich finden sich ihre Auswirkungen in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens wieder. Ein Feld, dem hier eine besondere Rolle zukommt, ist Bildung und Bildungspolitik. Im weiteren sollen einige Folgen von Hartz IV in diesem Bereich beschrieben werden:

 

  1. Mythos Lernmittelfreiheit und sich daraus ergebender schlechterer Zugang
    In der Schule ist das Lernen in der Realität längst nicht umsonst: was da an Arbeitsheften, Exkursionen, Kopiergeld, Atlanten, Wörterbüchern etc. bezahlt werden muss, ist Arbeitslosengeld II-EmpfängerInnen einfach finanziell nicht nötig. So leiden schon wieder die Kinder unter der Armut, in die die Eltern getrieben wurden. Durch einen erschwerten Zugang zu Bildung setzen sich so soziale Unterschiede noch fort.
     
  2. Bildungshintergrund in einer ALG II-Familie
    Menschen, die dem täglichen Kampf um die blanke Existenz ausgesetzt sind, haben einfach nicht die Kapazitäten, sich selbst (weiter) zu bilden, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen oder auch politisch mitzuwirken. Das ist an sich schon schlimm genug. Aber im Bezug auf die Kinder muss betrachtet werden, dass sie so nicht mit dem Bildungshintergrund aufwachsen können, wie eine in gesicherten Verhältnissen lebende Familie sie bieten könnte. 
  3. Abwertung von Einmal-Qualifikationen und Berufserfahrung
    Was sind akademische Abschlüsse, Facharbeiter, Meistertitel oder viele Jahre Berufserfahrung noch wert, wenn am Ende ohnehin alle für ein bis zwei Euro die Stunde Papierchen im Stadtpark aufsammeln? Der an das ALG II geknüpfte Arbeitszwang entwertet diese Erfahrungen und Graduierungen und setzt damit das System der Bildungszertifizierung zu Ungunsten der Betroffenen außer Kraft.
     
  4. Erschwerter Zugang auch beim Studium
    Natürlich ist das Ziel eigentlich, jeder Studierenden einen kostenfreien Studienplatz zur Verfügung zu stellen und sie elternunabhängig und existenzsichernd finanziell während des Studiums abzusichern. In der momentanen Realität ist das Bafög aber nun mal zu wenig zum Leben, und ALG II-Haushalte können ihre Kinder nicht zusätzlich unterstützen. Damit erwächst auch hier ein von Hatz IV verschärfter Nachteil im Zugang zu Bildung.
  5. Kita-Zugangskriterien
    Die Kita-Zugangskriterien sind nicht unmittelbar Teil der Agenda 2010 und der Hartz-Reformen, sind aber auch Ergebnis jener feindlichen und diskriminierenden Stimmung gegenüber Erwerbslosen. Viele Kommunen führen sie mit dem Hintergrund der Kostenersparnis jetzt ein. Inhalt: die Kinder von Erwerbslosen dürfen zum Beispiel die Krippe nicht besuchen, da, so die Argumentation, die Eltern ja auch selbst auf die Kinder aufpassen könnten. Problem: so wird Ungleichheit schon von Anfang an, im so wichtigen Feld der frühkindlichen Bildung, übertragen.

 

Im Kern verstärkt Hartz IV auch im Zugang zu Bildung den Gegensatz zweier Klassen: jene, die sich Bildung finanziell und zeitlich leisten kann, und jene die es nicht kann. Dabei werden jene Klassenunterschiede sofort auf die Kinder übertragen. Bei der letzten Pisa-Erhebung zeigte sich, dass in Deutschland die Korrelation zwischen Bildungshintergrund der Eltern und Bildungserwerb der Kinder so groß ist wie in keiner anderen teilnehmenden Industrienation. Dieser Tendenz wirkt Hartz IV alles andere als entgegen.

 

 
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