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Schöner Leben mit ... reindeer Section!
 
Im Durchschnitt nur Durchschnitt?
Was Noten überhaupt aussagen und im Gegenzug aber tun

Als Sarah am Freitag ihr Zeugnis entgegengenommen hatte, hatte sie einen schweren Heimweg anzutreten. Geo und Englisch Vieren, und im Durchschnitt war sie wohl auch Durchschnitt- eine Dreierschülerin. Und dabei hatte sie sich echt immer bemüht, sie kam da einfach nicht mit- Plattentektonik und der ganze Vulkankram. Irgendwann wollte sie da einfach gar nicht mehr hin, nicht ständig das Gefühl haben, total blöd zu sein. Besonders, wenn es die Arbeiten zurückgab. Und nun musste sie das ihren Eltern klar machen, die doch solche Erwartungen an sie hatten.

 

Alle Jahre wieder gibt es Zeugnisse in Sachsen, und die Halb- und Ganzjahresinformationen begleiten so manche Sarah auf ihrem Schulweg. Darauf zu finden jedes Jahr: die alt bekannten und wenig beliebten Noten, das Urteil über Wohl und Wehe einer jeden Schülerin. Sie müssen doch aber einen Grund haben, denkt man sich noch positiv denkend trotzdem. Doch beim genaueren Hinsehen: ihrer eigentlichen Aufgabe, Vergleichbarkeit herzustellen, werden die Noten nicht gerecht. Schon zwei Klassen an einer Schule, die unterschiedliche Lehrer hatten, sind wegen der unterschiedlichen Niveaus und anderen Maßstäben und Vorgehensweisen beim Korrigieren, nicht zu vergleichen. Außerdem ist die Endjahresnote ja Ergebnis der vielen kleinen Noten: was wann jemand einfach langsamer lernt, das Klassenziel zwar schafft, aber unterwegs nur schlechte Noten eingesammelt hat? Wenn der Tag der Leistungsüberprüfung nun mal einer war, als gerade die Freundin mit ihm Schluss gemacht hatte oder eine Lungenentzündung ausgebrütet wurde? Oft heißt eine gute Note auch nicht mehr als die maximale Anpassung an den Unterricht, das sture Wiedergeben bei Tests und dafür eine gute Note. Das gipfelt natürlich in der Vergabe von Kopfnoten- wen fanden die Lehrer am nettesten, wer kann gut den Eindruck erwecken, fleißig zu sein und wer täuscht am besten gemachte Hausarbeiten vor? Wobei die Kriterien natürlich mehr als schwammig sind, und eine Sarah es sehr schwer hätte, gegen das Bild, das die Lehrer von ihr haben, anzukommen. Noten berücksichtigen auch nicht den Hintergrund, mit dem jemand zum Unterricht kommt und also den Entwicklungserfolg, den jemand sich erarbeitet. Mit großer Vorbildung durch Eltern oder die Sendung mit der Maus eine eins zu schreiben ist was anderes als aus alleinig eigener Kraft und ohne das öffentlich-rechtliche Fernsehen.

 

Noten aber messen die Leistung absolut, nicht relativ und gehen damit nicht auf die Entwicklung jeder einzigen Schülerin ein. Das aber soll doch die Aufgabe von Schule sein: jeden individuell und nach den Bedürfnissen die sie hat, zu fördern- und daran muss sich auch die Bewertung messen lassen. Lernentwicklungsberichte könnten da mehr Aufschluss bieten. Damit aber nicht nur Frust erzeugt wird und die Schülerin auch wirklich weiß, wo sie steht, ist es wichtig, die Bewertung in Absprache vorzunehmen. Es wird eine Feedbackkultur gebraucht, in der Schüler und Lehrer in einem kooperativen Verhältnis die Lernergebnisse besprechen. So müssen sich die Schule und die Lehrerinnen und Lehrer dann aber auch verstehen: als Entwicklungszentrum, in dem Menschen arbeiten, die junge Leute in ihrer Entwicklung unterstützen. So könnte Sarah nicht nur mit einem Haufen Durchschnitt nach hause gehen. Sie könnte einen Lernentwicklungsbericht in der Tasche haben, der über ihre Stärken und Schwächen mehr aussagen würde. Und sie würde an der Bewertung beteiligt sein, hätte keine Angst mehr davon und einen abgesprochenen Plan im Kopf, was man zum besseren Verständnis tun kann.

 
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