Kontakt  |  Links  |  Impressum  |  Aktuelles
Schöner Leben mit ... meiner neuen Hompage
 
Pressestimmen
Julia Bonks Presseauftritte

Auf Augenhöhe
„SPIESSER“ Dez 2004

 

Leidenschaftlich politisch
„Countdown“,  Dez. 04

 

Interview mit Julia Bonk
Junge Welt, Dez. 04

 

Drogen-Jeanne d’Arc und Volkszerstörerin
„Hanfjournal“, Dez. 04

 

Schöner Leben mit Drogen!?
Opp!, Dez. 04

 

Kükenjagd im Landtag
Neues Deutschland, Nov. 04

 

10 THINGS WE DIDN'T KNOW THIS TIME LAST WEEK
BBC-News, Nov. 04

 

T-Shirt-Protest am Präsidiumstisch 
„Badische Zeitung“, Okt. 04

 

Schöner leben mit der PDS
Jungle World, Okt. 04

 

Deutschlands jüngste Abgeordnete 
BILD Deutschland, Okt. 04

 

Nicht nur das schöne Gesicht des Sozialismus 
Neues Deutschland, Sep. 04

 

Betonliste und Eigentor 
Sächsische Zeitung, Mai 04

 

Jugendbrigade greift an 
Sächsische Zeitung, Jan. 04

  

 

Die 18-jährige Julia Bonk zog direkt nach dem Abitur für die PDS in den Sächsischen Landtag ein und ist jetzt die bundesweit jüngste Abgeordnete. Wir fragten die Dresdnerin, wie sie mit dem ständigen Medienrummel zurechtkommt

Die Fragen stellte Peter Stawowy

 

SPIESSER: Du bist seit einiger Zeit permanent in allen Medien zu sehen, warst bei Kerner, in der „Bild“, der „Bunten“, „Focus“... Wie ist denn das für dich, interviewt zu werden?

Julia: An sich ist das natürlich ganz nett, wenn die Leute sich dafür interessieren, was man zu sagen hat. Und es ist auch ganz positiv, wenn du die Möglichkeit hast, Sachen rüberzubringen, von den Themen, für die du stehst. Bei Interviews habe ich da schon relativ viel Einfluss drauf, aber es passiert auch, dass die Geschichte schon vorher fertig ist und lautet: „Hübsche junge Frau macht jetzt Politik“ und das, was ich eigentlich erzählen will, dabei hinten runterfällt.

  

SPIESSER: Passiert das oft?

Julia: Das passiert schon. „Explosiv“ hat zum Beispiel gefragt, ob sie mal mit mir einkaufen gehen könnten – oder dabei sein, wenn ich mich mit Freunden treffe. Da habe ich gesagt, dass ich das nicht haben will, weil ich politische Inhalte rüberbringen will. Das wollten sie aber nicht.

  

SPIESSER: Ist das die Art von Politik, die du gut findest, wenn das über die Person läuft?

Julia: Geschichten lassen sich leichter über Personen , die etwas machen, als irgend einen trockenen Sachverhalt erzählen. Als Einstieg war das ganz okay. Und wenn jetzt im „RTL-Nachtjournal“ ein Beitrag über mich läuft, und dabei gesagt wird, es geht um die Abschaffung des gegliederten Schulsystems und mehr soziale Gerechtigkeit, dann ist doch trotzdem was geschafft, das ist doch nicht schlecht.

  

SPIESSER: Was sind für dich richtig böse Interviewfragen?

Julia: Ich hasse Fragen, die speziell nur jungen Frauen gestellt werden. Junge Abgeordnete müssen sich für Sachen rechtfertigen, die bei älteren Abgeordneten selbstverständlich sind. Junge Abgeordnete kriegen auch Diäten, machen aber auch richtige Projekte.

  

SPIESSER: Was möchtest du in einem Interview gerne mal gefragt werden?

Julia: Ich würde mich freuen, wenn mich mal jemand nach meiner schulpolitischen Konzeption fragen würde.

  

SPIESSER: Mmh, viel Platz haben wir nicht, aber wir stellen die Frage trotzdem. Schaffst du es,  deine Schulpolitik in drei Sätzen zu erklären?

Julia: (lacht) Das Ziel von Schule sollte sein, dass Menschen Kompetenzen erwerben und gleichzeitig soziale Unterschiede ausgeglichen werden. Weil diese Kompetenzen und dieses Wissen allen zugänglich sein muss. Bislang ist die Benachteiligung von Leuten, die eben nicht den familiären Hintergrund haben, ziemlich groß. Die Hauptaufgabe von Schule ist aber, das auszugleichen. Schule muss sich an die Schüler anpassen und auf deren Voraussetzungen, Neigungen und Eigenarten eingehen. Da brauchen wir ein Umdenken.  

 

SPIESSER: Bist du ein Naturtalent?

Julia: Nein. Das hat mit Selbstbewusstsein im Umgang zu tun. Wenn man sich mal klargemacht hat, dass es darum geht, anderen Leuten selbstbewusst entgegen zu treten, und sich auch darüber klar ist, dass man was kann und was zu sagen hat, dann klappt das auch mit den Interviews.

  

SPIESSER: Gibt es einen Unterschied zwischen persönlichem Gespräch und Interviews?

Julia: Ja, schon. Weil ich im persönlichen Gespräch andere Themen anspreche. Der Punkt ist, dass ich vieles schon ganz oft erzählt habe. Ich habe langsam das Gefühl, ich wiederhole mich ganz oft, was ja auch logisch ist: Meine politischen Grundsätze bleiben ja die gleichen. Das ist ja auch die Aufgabe von Politikern: Inhalte so oft zu wiederholen, bis sie sich einprägen – natürlich ohne langweilig zu werden. 

 

SPIESSER: Was empfiehlst du jemanden, der sich auf ein Interview vorbereiten muss?

Julia: Wenn das Interview zu einem bestimmten Thema ist, sollte er wissen, worüber er redet. Man kann oft auch vorher fragen, in welche Richtung die Fragen gehen und darüber diskutieren. Bei persönlichen Interviews kann man sich nicht vorbereiten. Das Credo ist, den Leuten auf Augenhöhe zu begegnen.

 


 

Julia Bonk ist Deutschlands jüngste Abgeordnete

Von Daniel Große 

Die „Bild“ nannte sie kürzlich „sexy Sächsin“ und verwies auf ihren „Schmollmund“, die „rote Mähne“ und das „bauchfreie T-Shirt“. Nun – sexy ist sie zweifelsohne, der Schmollmund ist eher spitzbübisch zu nennen, das Haar ist gefärbt und ein bauchfreies Shirt wäre derzeit wohl unangebracht.

„Es wird viel geschrieben, nur die Hälfte davon ist wahr“, sagt Julia Bonk, Deutschlands jüngste Abgeordnete. Ende September wurde sie mit gerade mal 18 Jahren in den sächsischen Landtag gewählt. Seitdem interessieren sich viele Medien für sie. Kein Wunder: Mit einer ungewöhnlichen Aktion gab sie ihren Einstand im Plenarsaal. „Schöner leben ohne Nazis“ stand auf ihrem T-Shirt. Eigentlich sind solche politischen Äußerungen auf der Kleidung in einem Parlament verboten. Doch Julia weiß, was sie will. Schon immer.

Und so erklärte sie auch eben jener Zeitung, dass sie grundsätzlich für eine Freigabe von Drogen ist. „Jeder Mensch sollte selbst entscheiden dürfen, was er konsumiert. Wenn vorher eine Aufklärungskampagne gestartet wird“, sagt Julia und bedauert, dass eben jener Zusatz in der „Bild“ fehlte. Spätestens seit diesem bundesweit erschienenen Artikel ist sie bekannt. Dabei macht sie schon seit vier Jahren Politik, wie sie sagt.

Mit 14 wurde Julia Landesschülersprecherin, kämpfte schon damals gegen das ihrer Meinung nach schlechte Schulsystem. Dieses Jahr im Februar war es dann soweit: „Die Grünen und die PDS kamen auf mich zu und fragten, ob ich mir vorstellen könnte, für sie zu kandidieren“, berichtet sie. Die Grünen kamen für Julia dabei nie in Frage: „Ich bin gegen ihren Sozialabbau und die Kriegspolitik, die sie betreiben.“ Also blieb eine Partei, der Julia aber nicht beigetreten ist. „Ich sitze nur für die PDS im Landtag, will mich aber noch nicht festlegen. Auszuschließen ist es aber nicht, dass ich irgendwann einmal ein Parteibuch trage“, sagt sie.

Politik zu machen, in so jungen Jahren, ist nicht leicht, wie Julia meint. „Du musst Dich viel mehr durchbeißen, immer wieder beweisen, dass Du es kannst und Lösungen anzubieten hast“, erläutert sie. Ihr Hauptaufgabengebiet sieht sie dabei in der Schulpolitik. „Ich will der Gesellschaft mehr Chancen bieten, indem ich ihr mehr Bildung gebe. Jeder soll individuell gefördert werden. Das geht, indem sich die Schule den Schülern anpasst“, führt sie aus. Bezahlbar sei das alles – da ist sie sich sicher.

Ebenso flexibel sollte ihrer Meinung nach die Politik sein. „Es gibt keine Politikverdrossenheit bei den Jugendlichen. Ihnen fehlt nur der Bezug. Darum muss mehr auf die Jugend eingegangen werden“, meint sie. Vielleicht schafft Julia ja dieses Ziel. Schließlich ist sie selbst erst fertig geworden mit der Schule. Ihr Abi hat sie seit Sommer in der Tasche, jetzt studiert sie. Natürlich Politik. „Und Geschichte“, fügt Julia hinzu. Ihr Berufsziel: Journalistin. Julias Tagesablauf ist zweigeteilt. Vormittags geht’s an die Uni, danach stehen entweder Sitzungen im Landtag oder Politikforen an. Zwischendurch rufen Arbeitstreffen, Interviews oder andere Termine. Vor um neun ist sie abends selten in ihrer Wohnung in Dresden-Neustadt. Am nächsten Morgen geht’s meist gegen sieben raus aus den Federn.

Entspannt wird am Wochenende. „Da gehe ich an der Elbe spazieren, ins Kino oder auch mal in die Disco und treffe mich mit Freunden“, so Julia. Mehr will sie von ihrem Privatleben nicht preisgeben. „Wenn ich das gewollt hätte, würde ich keine Politik sondern Popmusik machen“, sagt sie. Julia Bonk – eine junge Frau, die nicht auf ihr Äußeres reduziert werden will. Und von der wir sicherlich noch einiges hören werden.

 

 

»PISA-Studie: Notwendige Fragen wurden konsequent ausgeblendet«

Das Interview führte Ralf Wurzbacher   

Die Diskussion um das deutsche Scheitern bei der Bildungsstudie PISA ist wieder abgeflaut. Werden Fehler wiederholt? Ein Gespräch mit Julia Bonk

 

* Julia Bonk ist parteiloses Mitglied der PDS-Fraktion im sächsischen Landtag und mit 18 Jahren die jüngste Berufspolitikerin Deutschlands

 

F: Deutschland hat bei PISA II nur wenig besser als bei PISA I abgeschnitten. Warum sind die Fortschritte in Ihren Augen so minimal?

 

In den drei Jahren nach der letzten PISA-Studie wurden die wirklich wesentlichen Probleme nicht angegangen. Wir haben aufgrund der föderalen Kulturhoheit der Bundesländer 16 verschiedene Bildungssysteme. In den Ländern wurden allenfalls halbherzige Maßnahmen ergriffen, und die Kultusminister suchen ihr Heil vor allem in der Festlegung von Bildungsstandards. Das reicht bei weitem nicht aus. Die entscheidende Frage einer notwendigen Schulstrukturreform haben die politisch Verantwortlichen konsequent ausgeblendet.

 

F: Wie stellen Sie sich die Schule der Zukunft vor?

 

Die Schule muß vor allem zwei Aufgaben erfüllen: Erstens muß sie Kindern Wissen vermitteln und bestimmte Fähigkeiten beibringen. Und zweitens müssen diese Möglichkeiten allen jungen Menschen unabhängig vom Elternhaus eröffnet werden.

 

F: Ein Plädoyer für die Gemeinschaftsschule?

 

Gemeinschafts-, Einheits-, Gesamtschule – alle diese Begriffe sind negativ belegt. Ich plädiere einfach für längeres gemeinsames Lernen. Das Hauptargument für das gegliederte Schulsystem, wonach man Schüler in leistungsmäßig homogenen Lerngruppen am besten fördern könne, ist durch PISA eindeutig widerlegt. Die Leistungsunterschiede innerhalb der Schulformen sind gewaltig, und gleichzeitig werden soziale Unterschiede reproduziert. In allen zehn Spitzenländern bei PISA lernen die Kinder länger gemeinsam als hierzulande. Dabei zeigt sich gerade in Staaten wie Schweden und Finnland: Gemeinsame Lerngruppen bedeuten nicht identischen Unterricht für alle. Um Kinder individuell zu fördern, muß man sie nicht in getrennte Schulen stecken.

 

F: Die brandenburgische PDS-Abgeordnete Carolin Steinmetzer hat mit Äußerungen über ihre DDR-Vergangenheit für Aufregung gesorgt. Ihre Aussage, in der DDR habe sie eine unbeschwerte, angst- und sorgenfreie Kindheit verlebt, bezog sie unter anderem auf das DDR-Schulsystem. Teilen Sie die Meinung Ihrer Genossin?

 

Ich halte ihre Formulierungen für unglücklich, weil die Kehrseiten der DDR ausgeblendet werden: die Einschränkung der Meinungsfreiheit, die Überwachungspraktiken und andere repressive Elemente.

 

F: Aber das ehemalige Schulsystem müßte doch in Ihrem Sinne sein.

 

Die von mir beschriebene Lernkultur war auch in der DDR nicht verwirklicht. In bezug auf gemeinsames Lernen war die DDR aber in der Tat wegweisend. Daß diese Ansätze nach der Wende komplett unter den Hammer gekommen sind, war verheerend.

 

F: Ist man in Sachsen nicht auf dem Weg der Besserung? Laut Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD können im Land Gemeinschaftsschulen eingerichtet werden.

 

Es geht dabei leider nur um eine Art Modellprojekt, und gemeinsame Lerngruppen soll es nur bis zur sechsten Klasse geben, was nicht mehr als eine verlängerte Grundschule ist. Als das Vorhaben publik wurde, haben sich kurzfristig über hundert Schulen gemeldet, die sich beteiligen wollten. Anscheinend ist dabei den Koalitionären, vor allem der CDU, Angst und Bange geworden. Das Projekt soll jetzt auf lediglich 50 Schulen begrenzt werden. Es bedarf aber einer flächendeckenden Veränderung.

 

F: Wie schätzen Sie die Durchsetzungsmöglichkeiten auf Bundesebene ein? Die Kultusministerkonferenz (KMK) will von einer Strukturreform nach PISA II nichts wissen.

 

Das ist das Fatale. Da belegt PISA eindeutig die Notwendigkeit einer Strukturveränderung, und die KMK legt sich umgehend fest, darüber nicht zu diskutieren. Dabei beweist das Beispiel Polen, daß entsprechende Reformen große und rasche Erfolge bringen. Polen hat bei PISA 2000 miserabel abgeschnitten, danach umgehend die Empfehlungen der OECD für längeres gemeinsames Lernen umgesetzt und sich bei PISA II wesentlich verbessert. Die Bereitschaft, Bestehendes zu hinterfragen und weiterzuentwickeln, ist in Deutschland vor allem aus ideologischen Gründen leider nicht vorhanden.

  

 

Interview mit Julia Bonk

Das Interview führte Martin Schwarzbeck

 

Julia Bonk ist PDS-Politikerin im sächsischen Landtag. Sie erreichte innerhalb kürzester Zeit enorme Aufmerksamkeit durch ihren Auftritt im „Schöner leben ohne Nazis“-T-Shirt und ihre Statements zum Thema Drogen. Sie ist für die Legalisierung aller illegalisierten Substanzen.

 

Julia Bonk: Ich wurde unlängst von irgendeinem Bürger angezeigt worden, weil ich angeblich  Kontakte in die illegale Drogenszene unterhalten würde. Lustiger Vorwurf, bin gespannt, ob da was kommt.

 

Hanf Journal: Aber Kontakte sind ja nicht illegal

 

Julia Bonk: Das ist kein Straftatbestand, deswegen wird der arme Bürger wahrscheinlich total leer ausgehen in seiner scheinbaren Gerechtigkeitssucht.

 

Hanf Journal: Das kam jetzt aufgrund dieser ganzen Diskussion, oder was?

 

Julia Bonk: Die BILD-Zeitung titelte „Ja, ich nehme Drogen“. Und tatsächlich: Ich hab schon mal an ’ner Hasch-Zigarette gezogen. Das war offensichtlich ja schon ein totaler Tabubruch für die Öffentlichkeit.

 

Hanf Journal: Aber nicht inhaliert, hm?

 

Julia Bonk: Auf die Diskussion würde ich mich dann wieder nicht einlassen, das wird dann echt peinlich.

Aber deswegen: Das hat dann jemand in der Zeitung gelesen und befunden, dass das kriminell sein müsse und nun bin ich angezeigt. Aber da mach’ ich mir  keinen Kopf. Aber in den ganzen Kiffer-Foren hab ich auch nicht unbedingt nur Positives gelesen über die ganze Legalisierungsdebatte, die da angestoßen wurde. Ich hab’ das nicht richtig verstanden. ist das weil die Kiffer nicht wollen, dass andere Drogen mitlegalisiert werden, weil die denen dann sozusagen die eigene Debatte versauen?

 

Aber ich bin da halt prinzipiell für Selbstbestimmung. Es ist ja auch beispielsweise so, dass der Staat die Menschen Auto fahren lässt. Das ist ja auch gefährlich, und deswegen gibt es auch gleich immer Sicherungssysteme dazu. Man darf Auto fahren, muss sich aber anschnallen.

 

Hanf Journal: Also, wir fanden das ja mal ganz erfrischend, dass sich da ne PDS-Politikerin so kompetent zur Drogenpolitik äußert.

 

Julia Bonk: Um ehrlich zu sein, war das keine Absicht. Ich hatte nicht vor, mich hier zur Drogen-Jeanne d’Arc zu machen. Ich hab’ mich um die Debatte nicht gerissen, bin jetzt aber auch froh, dass sie geführt wird, wichtig ist sie ja. Und dann hat mich die BILD-Zeitung gefragt, ob ich selber schon mal gekifft habe. Und da finde ich, ist es eben auch die Aufgabe von leuten inder Öffentlichkeit, so eine Redetabu zu durchbrechen. Denn verbreitet ist Kiffen ja total, und trotzdem redet keiner so recht darüber . Ich bin dafür ziemlich angefeindet worden. Die NPD hat mich gar Volkszerstörerin genannt, aber damit kann ich leben.

 

Hanf Journal: Würdest du jetzt sagen, Legalisierung in Teilschritten, also erst Cannabis und dann der Rest, oder anders?

 

Julia Bonk: Ich glaube, das ist eine Frage, die man in einer gesellschaftlichen Diskussion aushandeln muss. Die Gesellschaft ist einfach noch total verkrampft, weil es soviel Unwissenheit und Ängste rund um das Thema Drogen gibt. Aber meiner Meinung nach müsste das schon schrittweise gehen. Also jetzt nicht nach der Härte der Drogen, sondern mit einer natürlichen Vorbereitungszeit. Weil natürlich eine gewisse Vorbildung dazugehört in Form von Aufklärung in Schulen und so weiter. Es muss natürlich einen gewissen Vorlauf geben, dass das passieren kann. Ich finde nicht, dass man das dann staffeln müsste. Also, erst Cannabis und dann die andern. Aber wenn jetzt Cannabis mal legalisiert würde, dann wäre das natürlich ein super erster Verhandlungserfolg.

 

Hanf Journal: Sag, wie stellst du dir das eigentlich vor mit der Legalisierung? Weil da gibt’s ja auch schon Probleme. Wie würdest du zum Beispiel mit den Minderjährigen umgehen?

 

Julia Bonk: Der Punkt ist ja, dass das Problem durch die Kriminalisierung auch nicht behoben wird. Das muss einfach grundlegend anders organisiert werden. Und das ist ja auch eine allgemeine Tendenz: Junge Leute trinken eher Alkohol, fangen eher an zu rauchen. Und wie man dem entgegenwirken kann . . . auf jeden Fall durch bessere Aufklärung und witzige Aktionen zu Drogenkonsum. Ich bin nicht für eine Freigabe von Cannabis für unter16-Jährige, das ist auch falsch zitiert worden.

 

Hanf Journal: Aber dadurch hören ja die unter 16-Jährigen nicht auf zu kiffen.

 

Julia Bonk: Ich sehe das Problem. Und eigentlich bin ich ja auch für die Selbstbestimmung Jüngerer. Der Punkt ist aber, dass man gucken muss, was durchsetzbar und was sinnvoll ist. Der Konsum ist sicher nicht verhinderbar, aber man muss halt versuchen, Schutzmechanismen einzuziehen Weil die Leute eben erst fit gemacht werden ,müssen über und mit Drogen, bevor sie selbstbestimmt damit umgehen können.

 

Hanf Journal: Würdest du mal die für dich perfekte Drogenpolitik skizzieren? Was könnte man alles kaufen, und wo, und mit welchen Schranken?

 

Julia Bonk: Also meiner Meinung nach sollten grundsätzliche jegliche illegalisierte Substanzen mehr oder weniger frei zugänglich sein. Man muss da natürlich Sicherungssysteme einbauen, indem man sagt: Bestimmte Sachen eben nur in der Apotheke. Dann kann auch Qualitätssicherung und Verbraucherschutz betrieben werden. Bei harten Sachen braucht es sicher auch ’ne Beratungspflicht, dass man sich also vorher mit dem Apotheker unterhalten muss. Dann sollte es auch noch mehr öffentliche Konsumräume mit medizinischer Überwachung geben. Und man bräuchte natürlich auch Netze, die einen auffangen, wenn Drogenkonsum kein Genuss mehr ist. Ich finde aber  auch, dass Cannabis und seine Produkte relativ öffentlich zugänglich verkauft werden könnten. Und natürlich sollte Werbung für Drogen generell verboten werden.

 

Hanf Journal: Mal ’ne Frage zum Medienrummel, der kam ja ganz schön plötzlich. Wie gehst du damit um?

 

Julia Bonk: Man muss eben immer abwägen, ob man im jeweiligen Bericht die Möglichkeit hat, seine Themen rüberzubringen. Was ich in der Berichterstattung nicht mag ist, wenn ich zum teil nur auf mein Aussehen reduziert werde.

 

Hanf Journal: Du hättest auch die Möglichkeit gehabt, für die Grünen in den Landtag zu gehen. Erklär’ doch mal deine Entscheidung.

 

Julia Bonk: Also, ich wollte unbedingt eine linke alternative Politik unterstützen. Die sind die Grünen wegen ihrer kriegs- und sozialabbauunterstützenden Politik aber einfach nicht mehr.

 

Fazit: Ja, es gibt Hoffnung für die deutsche Politik. Wir brauchen mehr solche kompetenten jungen politischen Menschen, die über ihre Ansichten auch mal nachdenken, bevor sie sie in die Welt hinausposaunen!

 

 

Schöner Leben mit Drogen!?

Von Lars Kleba

 

Die PDS die sich schon immer mit Drogenpolitik beschäftigte und zu politisch günstigeren Zeiten mit ihrer Gruppe im Deutschen Bundestag im Mai 1995 die Entkriminalisierung des Gebrauchs bislang illegaler Rauschmittel, die Legalisierung von Cannabisprodukten und die kontrollierte Abgabe sogenannter harter Drogen forderte hat es damit aber nie so richtig in die Öffentlichkeit geschafft. Ganz im Gegensatz zu den Grünen und sogar der FDP. Bei denen wissen es zumindest ne ganze Menge junger Menschen, „die sind doch für die Legalisierung von Hasch….“ Durch die BILD Zeitung und ein Statement von Julia Bonk (Landtagsabgeordnete der PDS Fraktion) wurde unsere Politik auch wieder mal bundesweit vertreten. Das die Zeitung mit den 4 großen Buchstaben nicht in unserem Interesse schreibt und sich nur Punkte mit denen sie uns angreifen kann rauspiekt, muss ich euch sicherlich nicht erzählen.

Angesichts der hohen "Dunkelziffer" von Menschen, die im Zusammenhang mit Drogenkonsum noch nicht auffällig, also polizeilich registriert wurden, bin ich der Meinung, dass es eine drogenfreie Gesellschaft noch nie gab, nicht gibt und auch nicht geben wird. Drogen wie Alkohol, Tabak und Opiate werden in allen Gesellschaftsformen konsumiert. Ausgehend von dieser Tatsache muss Drogenpolitik, die immer auch Gesellschaftspolitik ist, neu überdacht werden. Die Motive, die zum Drogenkonsum führen, sind in etwa genauso vielfältig wie die Substanzen, die konsumiert werden können.

Die bisherige Praxis der Restriktion bzw. des Verbotes von Drogen (Cannabis, Designerdrogen, sogenannte harte Drogen) ist allerdings gründlich gescheitert. Drogen jeglicher Art sind unter mehr oder weniger großen Aufwand zu mehr oder weniger hohen Preisen trotz Verbot nahezu überall erhältlich. PolizistInnen, RichterInnen und WissenschaftlerInnen fordern daher schon seit langem und mit Recht eine Normalisierung im Umgang mit Drogen.

Nicht zu begründen ist auch die unterschiedliche Bewertung von Drogen. Alkohol z.B. führt als legale Droge mittel- und unmittelbar zu rund 40.000 Toten im Jahr. Für Alkohol wird in Fußballstadien und im Fernsehen mittels Reklame öffentlich geworben. Cannabis hingegen wird kriminalisiert. In den Niederlanden gibt es "Coffee-Shops", in denen der Verkauf und Konsum von Cannabis erlaubt, der Ausschank und Verkauf von Alkohol hingegen verboten ist. Seit dieser Handel geduldet wird, hat sich das Konsumverhalten der niederländischen Bevölkerung bezüglich Haschisch und Gras nicht merklich geändert. Das Gerede über "Einstiegsdrogen" von konservativer Seite aus ist also reine Panikmache und zeigt deren Unwillen, sich mit Tatsachen auseinander zusetzen.

Die KonsumentInnen der sogenannten harten Droge Heroin müssen sich repressionsbedingt die notwendige Flüssigkeit zum Setzen ihres Drucks zum Teil aus einer Pfütze Regenwasser oder einer Bahnhoftoilette holen; so sind gesundheitliche Schäden vorprogrammiert. Hätten sie hingegen die Möglichkeit, ihren Stoff inhaltlich untersuchen zu lassen und ihn sich unter hygienisch einwandfreien Bedingungen z.B. in "Fixerräumen" zu setzen, sähe das "Drogenelend" schon ganz anders aus. Suchtkranken muss die Möglichkeit zum ärztlich betreuten Drogenkonsum in hygienischer und menschenwürdiger Umgebung gegeben werden.

Doch werden diese Menschen gerade nicht als Kranke behandelt, sondern als Verbrecher. Sie müssen jederzeit damit rechnen, kontrolliert und drangsaliert zu werden, denn die Straßen sollen "sauber" werden. Armut und Leid tut den Reicheren nämlich in den Augen weh.

 

Eine Begleiterscheinung im Umgang mit Drogen ist der sogenannte Schwarzmarkt. In der BRD werden nach offiziellen Schätzungen jährlich rund sechs Milliarden Mark auf dem illegalen Drogenmarkt umgesetzt. Aus den lächerlich niedrigen Preisen, die dank der Hungerlöhne in den Anbauländern gezahlt werden, sind nach dem Weg durch viele Hände horrende Preise geworden. Der eine Teil der ZwischenhändlerInnen handelt aus Profitsucht, der andere muss zur Finanzierung des Lebensunterhalts und/oder Eigenkonsums mitverdienen. Der volkswirtschaftliche Schaden, der durch den illegalen Drogenhandel verursacht wird, ist größer als der gesellschaftliche Nutzen der derzeitigen restriktiven Drogenpolitik.

Durch staatlich kontrollierte Drogenabgabe, verbunden mit einer Preis- und Qualitätskontrolle, würden die Drogen für KonsumentInnen preiswerter und qualitativ besser. Drogenhandel, Beschaffungskriminalität und -prostitution könnten wirksam bekämpft werden. Suchtkranken kann jederzeit die erforderliche Hilfe gewährt werden und die gesundheitlichen Schäden des Konsums könnten reduziert werden. Ärztlich verabreichte Drogen könnten rund 1% des heutigen Straßenverkaufspreises kosten.

Es bedarf einer grundlegenden Wende in der Drogenpolitik!

 

Wir müssen uns alle vielmehr mit dem Thema Drogen auseinandersetzen und uns alle erst einmal bilden und erst danach in die Debatte einsteigen und nicht schon im Vorfeld BefürworterInnen der Drogenlegalisierung für eine Aussage die im Parteiprogramm und im Landeswahlprogramm der PDS Sachsen steht verurteilen. Ja im Landeswahlprogramm steht ganz klar: „Wir streiten dafür, den Konsum von Drogen (nicht deren Herstellung und den Handel mit ihnen) zu entkriminalisieren. Gegen Drogenmissbrauch kann man etwas tun, indem man z.B. nicht für Drogen wirbt. Wir wollen den verantwortungsvollen Umgang mit allen Drogen fördern „ ob mit Tabak oder Alkohol, ob mit Medikamenten oder den sogenannten illegalen Drogen. Nicht die Drogenabhängigen sind zu bekämpfen, sondern die Ursachen der Abhängigkeit.“ Wir fordern EIN ANDERES SACHSEN IST MÖGLICH und wir wollen die Gesellschaft verändern. Dann sollten wir auch wenigstens dass was wir uns ins eigene Programm geschrieben haben, leben.  

 

 

Kükenjagd im Landtag – Berauschende Posse um junge PDS-Abgeordnete

Von Hendrik Lasch

 

Soll ein Abgeordneter, der geistigen Getränken gewogen ist, einen Verkehrsausschuss leiten dürfen? Muss man Zigarrenraucher aus Umweltgremien fernhalten? Hat für Gelegenheitsspieler, die hin und wieder am Roulettetisch ihr Haushaltsgeld durchbringen, der Finanzausschuss tabu zu sein? Das sind Fragen, über die bisher auch im Dresdner Landtag nicht gestritten wurde – womöglich zu Unrecht. Denn eine Debatte, die derzeit im Wasserglas sächsischer Landespolitik für ein veritables Stürmchen sorgt, müsste bei konsequenter Fortsetzung zu einem Katalog neuartiger Qualifikationskriterien für politische Ämter im Freistaat führen. Grund zu der Annahme liefern Bedenken, die CDU-Politiker jetzt gegen eine Kandidatin für den Vizevorsitz im Ausschuss für Schule und Sport geltend machen. Die PDS hatte dafür Julia Bonk vorgeschlagen, die zuletzt Sprecherin des Landesschülerrates war und sich in dieser Funktion mit Schulkonzepten ebenso auseinander gesetzt hat wie mit dem Kultusminister. Nach herkömmlicher Meinung kann sie mit solch fundierter Kenntnis der Materie für das Parlamentsgremium schon beinahe als überqualifiziert gelten. Allerdings hat Bonk, die gerade 18 Jahre alt geworden ist und von Landtagsberichterstattern gern altväterlich als »Parlamentsküken« apostrophiert wird, auch schon einmal gekifft oder, um eine weniger verharmlosende Formulierung zu verwenden: Erfahrungen mit Substanzen gesammelt, die dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen. In etwas unschuldiger Offenheit plauderte sie darüber mit Journalisten. Offenkundig berauscht von der Verführungskraft einer Namensnennung in einem Nachrichtenmagazin, hatte die Jungpolitikerin zuvor schon dessen Reporter über ihre libertären Ansichten zur Drogenpolitik im Allgemeinen in Kenntnis gesetzt. Seither ist Bonk, der auch manche Parteifreunde vor dem Landtagseinzug etwas mehr Lebenserfahrung gewünscht hätten, zum Lieblingsfeindbild der Landtags-Konservativen avanciert. Ihr verqueres sprachliches Bild zur Selbstverantwortung bei Drogengebrauch (»Menschen können auch selbst entscheiden, ob sie von einer Brücke springen«) sorgte für einen Aufschrei der Empörung. Unverhohlen wurde an ihrer Eignung für den Landtagsjob gezweifelt. Die NPD, bei der Bonk zur konstituierenden Sitzung mit dem T-Shirt-Aufdruck »Schöner leben ohne Nazis« für Groll gesorgt hatte, berief eilends eine Aktuelle Stunde ein – Thema: »Schöner leben ohne Drogen«. Die Debatte wurde zu einem Lehrbeispiel für angewandte Doppelmoral. Nun wird die Komödie im Landtag als Farce weitergesponnen. Nach der Nominierung Bonks eiferte der CDU-Jungpolitiker Lars Rohwer, dies sei »ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die einen sauberen Sport wollen«. Er forderte die PDS auf, die Personalie zu überdenken. Verhindern kann er Bonk nicht: Um die Zustimmung zu NPD-Kandidaten zu vermeiden, einigte sich der Landtag unlängst darauf, bestimmte Funktionsträger nicht zu wählen, sondern nur von ihren Fraktionen benennen zu lassen. Ob die Debatte mit dieser verbalen Blutgrätsche des anscheinend ein wenig machtberauschten Saubermanns beendet ist, lässt sich schwer absehen – schließlich sind viele sächsische Politiker nach einer Erdbebenwahl, dem NPD-GAU und quälenden Koalitionsverhandlungen noch immer viel zu benebelt, um sich wirklich wichtigen Themen widmen zu können. Der sächsische Sport dürfte abseits der Biertische in den Sportlerheimen indes kaum unter der Übernahme des Vizepostens durch Bonk leiden. Darauf würde der Autor dieser Zeilen sogar einen Teil seines Haushaltsgeldes verwetten.

 

 

Snippets harvested from the week's news, chopped, sliced and diced for your weekend convenience.

 

1. The collective noun for rhinos is "crash".

 

2. Osama Bin Laden refers to 9/11 as "Manhattan".

 

3. The word "electricity" was first used in English in about 1600 by Elizabeth I's physician.

 

4. George W Bush got the highest number of votes for president of any candidate in US history.

 

Vote USA 2004 results map

5. John Kerry got the second highest number.

 

6. There may be no ice in summer at the North Pole by 2070, according to one projection of global warming trends.

 

7. Geri Halliwell's pet dog once went to the toilet on Tony Blair's carpet at Chequers.

 

8. Meat Loaf collects Teddy bears.

 

9. On the night of the US election, when political junkies around the world were glued to their TVs, Tony Blair went to bed at 2230 GMT.

 

10. Germany has an 18-year-old MP - Julia Bonk, a member of the Saxony legislature. Her name is not funny in German.

 

 

Julia Bonk - für die PDS im sächsischen Landtag - ist 18, tut ihre Meinung kund und wurde innerhalb einer Woche zum Medienstar

Von JuZ-Mitarbeiter Martin Müller

  

Vor gut einem Monat wurde Julia Bonk mit gerade mal 18 Jahren als parteilose Abgeordnete für die PDS in den sächsischen Landtag gewählt. Für Deutschlands jüngste Berufspolitikerin interessieren sich viele - auch die JuZ: Hat man es als junger Mensch in der großen Politik besonders schwer? Letzte Woche fand die konstituierende Sitzung des Landesparlamentes in Dresden statt und Julia ist jetzt auch offiziell Abgeordnete. Schon am nächsten Tag ging ihr Foto um die Welt. Und danach begann ein Medienhype um Julia, der bis heute nicht nachlässt.

 

"Ist das nicht Julia Bonk?", fragt der "Süddeutsche"-Korrespondent die Kollegen auf der überfüllten Pressetribüne mit Elbblick. Sie ist es. Nicht auf einem normalen Abgeordnetensitz, sondern direkt neben dem Präsidenten des Landtages. Die Objektive der Fotografen haben sich auf Julias T-Shirt eingeschossen: "Schöner leben ohne Nazis" lautet die Protestbotschaft, die sie auf schwarzen H&M-Stoff hat drucken lassen hat.

 

"Ich habe bis zum letzten Moment überlegt, ob ich das wirklich machen kann", sagt sie, "aber gerade wir im Landtag müssen doch zeigen, was unsere Meinung zu Nazis in einem demokratischen Parlament ist." Als sie ihre Jacke auszieht, klicken die Auslöser der Kameras im Zehntelsekundentakt. Journalisten der Nachrichtenagenturen hauen in die Tasten ihrer Blackberrys. Fernsehstationen richten in Windeseile die Kamerastative auf den Präsidiumstisch aus.

 

Selbst Erich Iltgen (CDU) zeigt Verständnis: "Der Landtagspräsident hat zu mir ganz nett gesagt, dass das eigentlich nicht erlaubt ist", erzählt Julia Bonk. Wenn jetzt ein Abgeordneter der rechtsextremen NPD den entsprechenden Antrag stellt, muss Julia Bonk das T-Shirt sofort ausziehen: politische Botschaften auf Kleidung oder Taschen sind in einem Parlament verboten. Doch die Rechten sind auch hier kurzsichtig. Am Tag nach der konstituierenden Sitzung ist denn Julias offener Protest gegen den Einzug der rechten Randpartei in den Landtag auf den Titelseiten aller großen deutschen Zeitungen zu sehen. Die "Welt", die "Frankfurter Rundschau" und "Bild": 86 Blätter drucken Julia Bonks Foto. "Von der Heftigkeit des Medienechos war ich ziemlich überrascht", sagt Julia.

 

Während der Sitzung ahnt sie noch nicht, was sich über ihr am deutschen Medienhimmel zusammenbraut. Als Schriftführerin im Präsidium hat Julia alle Hände voll zu tun: Listen abgleichen, mitschreiben und selbst abstimmen. Die Sitzung dauert ohne Pause sieben Stunden, danach kurze Fraktionstagung. Die "Bild-Zeitung" berichtet über eine Laufmasche in Julia Bonks Strumpfhose. "So sexy kann Politik sein", lautet die Schlagzeile der Boulevardzeitung über "unsere schöne Julia". "Das ist ein bisschen komisch, wenn die sich plötzlich für meine Strumpfhose interessieren", sagt die jüngste Berufspolitikerin und schaut ungläubig auf das Ganzkörperfoto von sich auf der Titelseite. Freunde rufen Julia an, um ihr zu erzählen, dass sie in der Tagesschau mit ihrem T-Shirt zu sehen war: dieselbe Julia, die vor wenigen Monaten noch auf dem Abi-Ball getanzt hat.

 

Am nächsten Morgen sitzt sie schon um halb sieben wieder an ihrem Schreibtisch. Ob sie einen Medienberater habe, will eine Zeitung wissen. "Ich bekomme noch nicht mal Hilfe von der Fraktion. Das muss man alles selbst machen", erklärt Julia schnell - auf der anderen Leitung ist ein Mitarbeiter der Talkshow Johannes B. Kerner. Natürlich kommt sie. Arte möchte ein Porträt über junge Politiker machen. Julia sagt zu. "Ich habe noch nicht mal Lampen an den Decken meiner neuen Wohnung." Das ist der "Bild" und dem "Stern" egal - sie laden sich selbst bei Julia Bonk in die Dresdner Neustadt ein. "Focus" hat Fragen zu ihrer Politik und auf der anderen Leitung wartet schon die Kölner Redaktion von RTL-Explosiv. "Die haben mich gefragt, wie privat ein Beitrag über mich werden dürfte." Julia setzt Grenzen und die RTL-Redakteurin "will sich wieder melden". Eine Kölner Telefonnummer taucht nicht mehr auf Julias Handydisplay auf.

 

"Ich habe nichts gegen die Berichte über meine Person. Aber ich will als Politikerin wahrgenommen werden", erteilt Julia Bonk allzu persönlichen Interviewanfragen eine Abfuhr. So hätte die "Bild-Zeitung" gerne auch etwas freizügigere Fotos geschossen, doch es blieb bei Worten wie "sexy Sächsin" oder "Schmollmund". Das Telefon klingelt wieder: Es geht um einen Auftritt bei Sabine Christiansen. Ob es nicht ein Fehler war, die Botschaft ausgerechnet auf Brusthöhe zu tragen? Julia Bonk: "Ich habe Anrufe von ,Bild'-Lesern bekommen, die mich gerne persönlich kennen lernen wollen." Nach fünfundzwanzig Zeilen Text und drei Fotos. Eine italienische Zeitung möchte gerne ein Porträt machen. "Die meisten Journalisten sind furchtbar schlecht vorbereitet und stellen belanglose Fragen", sagt Julia und würde viel lieber über Hartz IV oder Schulschließungen sprechen. Wenn Julia Bonk in die "Bunte" von heute schaut, wird sie sich wiederfinden. In der Rubrik "Leute von morgen". Und geht es nach den Korrespondenten der großen Zeitungen, liegt eine ganz große politische Karriere noch vor ihr. Vielleicht schon 2006 im Bundestag. Wenn man sie bis dahin über ihr wirklich wichtige Themen sprechen lässt und weniger über Laufmaschen. Da klingelt das Telefon schon wieder: Keine Zeitung, kein Fernsehsender. Ganz besorgt ruft Julias Mutter von einem Urlaub an der Ostsee an: "Ist bei dir wirklich alles in Ordnung?" Ist es.

 

 

Schöner leben mit der PDS – Julia Bonk, die jüngste Berufspolitikerin Deutschlands, will lieber über Politik reden als über Laufmaschen.

Ein Porträt von Martin u. Müller

 

Es ist fast fünf Jahre her. Ein ganz normaler Dienstag in der Klasse 9.1 am Franziskaneum in Meißen, bis in der zweiten Stunde plötzlich eine vermummte Gestalt zur Tür hereingestürmt kommt und mit zwei großen Messern zweiundzwanzig Mal auf die Geschichtslehrerin einsticht.

 

Julia Bonk ist damals 13 Jahre alt, besucht die siebte Klasse des zweisprachigen Dresdner Romain-Rolland-Gymnasiums und hat gerade das Amt als Klassensprecherin an ihre Schulfreundin Anita abgegeben. Schnell stellt sie sich den nächsten Wahlen – zur Schulsprecherin. »Ich wollte wirklich etwas bewegen«, sagt sie heute. »Die Motivation war der Mord an der Lehrerin in Meißen, auch wenn das jetzt wie für die Zeitung gesprochen klingt.« So klingt es tatsächlich, aber man nimmt es ihr ab. Es folgen Ämter in der Schülervertretung auf Stadt- und Landesebene. Das »schöne Gesicht des Sozialismus« (Neues Deutschland) verwaltet neben Chemie- oder Englischhausaufgaben das Budget für die Landesschülerarbeit, gibt Broschüren heraus und organisiert Diskussionen. »Ich forderte damals den Rücktritt des sächsischen Kultusministers und hatte eigentlich gar keine so richtige Ahnung vom Thema.« Aber alle klatschten.

 

Von ihrer neu bezogenen Wohnung in der Dresdner Neustadt, heute, fünf Jahre später, ist es nicht weit zu den Orten, wo sie anfing, Politik zu machen. Sie müsste bloß die Louisenstraße entlang gehen, vorbei an der Imbissbude mit den leckeren Crêpes und an ihrer alten Schule, hinein in das Büro des Landesschülerrates. Der neue Weg geht links ab, am Polizeirevier in den kleinen Weg hinein und über den Albertplatz. Dann noch einmal drei Kilometer Richtung Elbe zum sächsischen Landtag.

 

Seit einigen Wochen hat Julia Bonk hier im dritten Stock ihr Büro. Sie ist die jüngste Berufspolitikerin Deutschlands, mit gerade 18 Jahren zog sie als parteilose Abgeordnete in das sächsische Landesparlament ein. »Es haben mich die Grünen und die PDS gefragt, ob ich für sie auf der Liste kandidieren möchte.« Nach Tagen und Nächten, in denen sie grübelt und die Wahlprogramme wälzt, findet Julia Bonk die größten Übereinstimmungen mit der Politik der PDS. »Ich kann mich aber nicht immer rückhaltlos mit allen Inhalten der PDS identifizieren«, rechtfertigt sie ihre Entscheidung, nicht in die Partei eingetreten zu sein. Im Kampf um die Listenplätze weht ihr zum ersten Mal der politische Wind etwas rauer um die Nase. »Man hat mir vorgeworfen, dass ich die Mühlen der Lokalpolitik nicht durchlaufen hätte.« Doch es reichte knapp, die Parteidelegierten nominieren die »rote Julia« (Bild) für Platz 21 der Landesliste.

 

Es folgt der Straßenwahlkampf: interessiert sein, zuhören, argumentieren, Grußworte sprechen – und bloß nicht gähnen. RTL ist nämlich auch dabei. »Das Medieninteresse war schon immer recht groß«, stellt Julia nüchtern fest und vermutet auch eine Strategie der PDS: »Die haben mich ganz gern so in der Ecke des hübschen Gesichtes der Partei.«

 

Der Einsatz des demokratisch-sozialistischen Bodenpersonals zur Verteilung von Aufklebern, Wutbällen, Hanftütchen und anderem Spielzeug zeitigt Erfolg. Trotz der Stasi-Affäre des Lokalmatadors Peter Porsch steht bereits um 18 Uhr am Wahlabend fest: Julia Bonks Platz im Landtag ist sicher. Von einem »Emotionscocktail« redet die Dresdnerin und beantwortet strahlend die Fragen der Journalisten. »Mir wird jetzt erst klar, wie sehr ich mich eigentlich freue.«

 

Gleichzeitig posiert die Führungsriege der NPD um Holger Apfel in Siegerpose für die Fotografen. Julia Bonks erste Amtshandlung ist es denn auch zu schreien, zu protestieren und Plakate hochzuhalten: »Nazis raus«, lautet die Parole. Am nächsten Tag sitzt sie am Schreibtisch und entwirft ein Thesenpapier, wie man mit den Rechten im Landtag umgehen könnte. »Die NPD hat Forderungen, die ebenso andere Parteien vertreten können. Gegen Schulschließungen sind wir alle, und Hartz IV empfindet auch die PDS als ungerecht. Das Entscheidende an rechter Ideologie ist, dass sie auf Herabwürdigung und Ausgrenzung bestimmter Gruppen ausgelegt ist«, sagt Julia Bonk.

 

Als sich der vierte sächsische Landtag in Dresden zu seiner konstituierenden Sitzung trifft, ist die Pressetribüne mit Elbblick überfüllt. Mehr als 150 Journalisten sind gekommen, sogar Teams aus Österreich, Japan und Dänemark. Die Kameras richten sich auf Holger Apfel, der in der ersten Reihe der NPD-Fraktion Platz nimmt. Doch nur Minuten später schießen sich die Objektive der Fotografen auf ein anderes Motiv ein. Die jüngste deutsche Politikerin aller Zeiten protestiert im Sitzungssaal auf ihre Art und Weise. »Schöner Leben ohne Nazis«, steht auf ihrem schwarzen T-Shirt geschrieben. »Ich habe echt bis zur letzten Minute überlegt, ob ich das wirklich machen kann.« Und auch die Genossen in der Partei sind vorher von der Aktion nicht gerade begeistert. »Gerade wir im Landtag müssen doch zeigen, was wir von Nazis in einem demokratischen Parlament halten«, erklärt sie. »Der Landtagspräsident hat mir ganz nett gesagt, dass das eigentlich nicht erlaubt ist.« Am nächsten Tag ist ihr Foto in allen Zeitungen.

 

Im Landtagsbüro, wo Julia Anastasia Bonk Politik macht, türmen sich Papierstapel, Anträge, Protokolle und Briefe, darunter viele mit Glückwünschen. Das Telefon klingelt unaufhörlich. Zeitungen, Fernsehsender, Magazine – alle wollen Interviews und Bilder. Gleichzeitig besucht sie erste Vorlesungen in ihren Studienfächern Politik und Geschichte an der TU Dresden. »Ich habe noch nicht mal Lampen an den Decken meiner Wohnung.« Aber das ist der Bild egal, und auch die Super Illu meldet sich bei Julia Bonk zu Hause an. Das Handy vibriert, der Focus möchte etwas über ihre Ansichten wissen. Die Zeit drängt, ein Gespräch für das Mittagsmagazin des MDR steht an und auch ein Treffen für die Talkshow mit Johannes B. Kerner auf den Elbterrassen. »Es ist schon ein sehr komisches Gefühl, wenn die Bild-Zeitung etwas über eine Laufmasche in meiner Strumpfhose wissen möchte«, sagt Julia, die viel lieber über Hartz IV und Haushaltspolitik reden würde.

 

Im Zug zum Treffen des Arbeitskreises Bildung erklärt sie, warum sie besser in Fahrtrichtung sitzt: »Ich schaue lieber nach vorn als zurück.« Und sie spricht von der Zukunft. Nach den fünf Jahren im Landtag Journalistin zu werden, könnte sie sich vorstellen, am liebsten in Frankreich. Julia spricht fließend Französisch. Oder aber man lässt sie über ihre Themen reden und nicht nur über Laufmaschen in ihren Strumpfhosen. Glaubt man den Korrespondenten der großen Zeitungen auf der Pressetribüne des Landtages, dann vielleicht schon im Jahr 2006 im Bundestag. Wieder klingelt das Telefon: Es geht um einen Auftritt bei Sabine Christiansen.

 

 

Deutschlands jüngste Abgeordnete – Rote Julia gegen braune Nazis

Von Dieter Schlüter

 

Dresden – Schmollmund, rote Mähne, bauchfreies T-Shirt, Jeans und derzeit wieder solo: Julia Bonk (18) aus Dresden ist Deutschlands jüngste und schönste Abgeordnete! Obwohl sie parteilos ist, sitzt sie für die PDS im Landtag von Sachsen (kandidierte auf der Landesliste).

Im Sommer 2004 machte die „rote Julia“ ihr Abi – Durchschnittsnote 2,1. Von der Schulbank wechselte sie direkt auf die Landtagsbank (Wahl am 19. September): „Die Grünen und die PDS hatten mich gefragt, ob ich für sie ins Parlament will. Ich habe mich für die PDS entschieden.

Denn ich bin mit Leib und Seele links.“

Und Zivilcourage hat die sexy Sächsin auch: Zur Parlamentseröffnung am Dienstag erschien sie in einem T-Shirt mit der Aufschrift „schöner leben ohne nazis“ – ihr persönlicher Protest gegen die zwölf NPD-Abgeordneten im sächsischen Landtag.

Nebenher studiert Julia Bonk Politik und Geschichte: „Gut auszusehen ist nie schädlich. Aber wenn man nichts im Kopf hat, reicht das eben auch nicht.“

Unsere jüngste Politikerin will später mal Journalistin werden, am liebsten in Paris leben: „Ich spreche fließend Französisch.“

 

 

Nicht nur das schöne Gesicht des Sozialismus

Junge Frauen machen in der PDS Politik – auch gegen Widerstände

Von Hendrik Lasch

    

Kaum 18 und schon in den Landtag: Julia Bonk zeigt, wie früh Frauen in der PDS Politik machen. Das erntet auch Kritik – erst recht, wenn der Nachwuchs nicht nur Gesicht zeigt, sondern seinen Kopf durchsetzt.

Infostände, sagt Julia Bonk, sind ihre Sache nicht. Jetzt aber hat sie eine Steilvorlage bekommen. »Die Jugend«, hebt der Mann vor dem Arbeitsamt in Plauen an und zieht den Vokal vorwurfsvoll in die Länge, »die Jugend erkennt doch nicht, wo es hingeht.« Still und gründlich hat der Mittfünfziger die Handzettel zu Hartz IV studiert, die auf dem Klapptisch liegen; dann hat er sich erkundigt, ob an diesem Montag auch in Plauen eine Demonstration stattfindet. Am Erfolg scheint er jedoch zu zweifeln – wegen der fehlenden Jugend. »Solange die jungen Menschen noch irgendwelches Geld bekommen, lungern sie nur zu Hause auf dem Sofa«, klagt er und winkt resigniert ab: »Die bekennen sich doch nicht für irgendeine Richtung.«

Diesmal ist er aber an die Falsche geraten. Vor ihm steht eine »Bekennerin«. Julia Bonk hat schon in der 8. Klasse aufgehört, auf dem Sofa herumzulungern, und sich stattdessen als Klassensprecherin an einem Dresdner Gymnasium wählen

 

»Es gibt viele in meinem Alter, die sich engagieren«

 

lassen. Danach wurde sie binnen vier Monaten auch Vorsitzende der Schülerräte von Stadt und Land. Im Frühjahr ist sie 18 Jahre alt geworden. Jetzt steht sie vor Arbeitsämtern oder Schulen und vertritt PDS-Politik. »Es gibt viele in meinem Alter«, beruhigt sie den Plauener Bürger, »die sich engagieren.«

Wenn Bonk für die Partei wirbt, wirbt sie in gewisser Weise für sich selbst – auch wenn das Marketing in eigener Sache eher dezent erfolgt. Der Selbstdarstellungsdrang mancher Politprofis scheint ihr trotz einiger Rollen im Schülertheater noch abzugehen: Sie überlässt es lieber anderen, die Faltblätter mit ihrem Konterfei zu verteilen. Das mag Koketterie sein; schließlich hat sich Bonk bisher auch nicht gescheut, auf Demonstrationen vor Tausenden Schülern zu sprechen. Auch gegenüber Ministern hat es ihr nicht an Selbstbewusstsein gefehlt. Falschen Respekt vor Autoritäten kennt sie ohnehin nicht. Dass sich Mitstreiter vor Ministeriumsterminen extra in einen Anzug zwängten, bezeichnet sie jedenfalls als »unnötig Ehrerbietung«.

Ob sie ihre Werbezettel erfolgreich verteilt oder nicht – in gut zwei Wochen wird Bonk in die Berufspolitik einsteigen. Kaum, dass sie im April das Wahlalter erreicht hatte, wurde sie für ein Landtagsmandat nominiert. Auf der Landesliste der PDS hat die Schülerin, die bei der Aufstellung noch in den Abiturprüfungen steckte, den 21. Platz inne, der angesichts der Umfragewerte von derzeit 24 Prozent als sicheres Ticket ins Parlament gelten kann. Im Alter von 18 Jahren, vier Monaten und 20 Tagen nach der Wahl wird sie eine der jüngsten Abgeordneten sein, die je im Dresdner Landtag Platz genommen haben.

Bonk ist freilich nicht die erste junge Frau, die es bei den sächsischen Sozialisten zu einem derart schnellen Aufstieg bringt. Vor fünf Jahren schaffte die Dresdner Studentin Katja Kipping mit gerade 21 Jahren den Sprung in den Landtag. Danach wurde sie als die, wie bei jeder Gelegenheit herausgekehrt wurde, jüngste aller Abgeordneten sogar ins Präsidium entsandt – eine Funktion, die zwar mit wenig Verantwortung verbunden war, aber einiges Renommee verschafft. Seither lässt sich die Politaufsteigerin auch inhaltlich immer stärker in die Pflicht nehmen: Seit zwei Jahren ist Kipping stellvertretende Bundesvorsitzende der Partei.

Attraktive Jugendlichkeit, so scheint es, ist bei den Sozialisten Programm. Dass auch ein ansprechendes Äußeres zu den denkbaren Motiven für derart flotte Karrieren gehört, legt eine Äußerung von Parteichef Lothar Bisky nahe. Der Medienfachmann nannte einmal als Vorzug seiner angehenden Stellvertreterin, diese könne PDS-Politik »auch auf Plakaten gut herüberbringen«. Gezeigt hat das eine andere junge Abgeordnete aus Sachsen. Die Leipzigerin Heike Werner lachte einst bundesweit von einem PDS-Plakat und schaffte es 1999 mit damals 30 Jahren auf Listenplatz 3.

Im Fall von Julia Bonk legt nun zumindest das Werbematerial den Eindruck nahe, die Parteistrategen könnten erneut auf das »schönste Gesicht des Sozialismus« setzen. Über einem Foto der rothaarigen Schülerin, das einem Modekatalog entnommen sein könnte, prangt der Slogan »Rot ist sinnlich«. Bonk hält derlei unverhohlenes Buhlen um Wählergefühle für »etwas unglücklich«. Dass sie ihre Nominierung nicht zuletzt dem Umstand verdankt, jung und weiblich zu sein, räumt sie ein: »Ich vereine verschiedene Quoten auf mich.« Die Schülerin spricht jedoch von einer Rolle, die sie mit eigenen Ansprüchen auszufüllen gedenkt.

Dass dies gelingen kann, hat Katja Kipping bereits bewiesen. Die Dresdnerin, die über Studentenproteste in die Politik kam, hat sich zunehmend vom Image der attraktiven Vorzeigejugendlichen gelöst. Sie profiliert sich mit eigenen politischen Ansätzen etwa zum Thema Grundeinkommen und agiert in selbst aufgebauten Netzwerken. Mit welcher Selbstverständlichkeit sie dabei Ressourcen in Anspruch nimmt und Positionen verteidigt, sorgt vielerorts für Verwunderung. »Mancher dachte, ich bin ungefährlich«, sagt Kipping mit Blick auf ihren raschen innerparteilichen Aufstieg: »Da hat man sich getäuscht.«

Die Verblüffung ist mancherorts in scharfe Kritik umgeschlagen. Zwar bezeichnet Landeschefin Cornelia Ernst die Kandidatur von Frauen wie Bonk als Glücksfall für die PDS, um den diese »von anderen Parteien beneidet wird«. Sie verweist auf »unverwechselbare Erfahrungen« von Menschen, die kaum Erinnerungen an die DDR haben, dafür aber »ganz selbstverständlich in die jetzigen Verhältnisse hineingewachsen« sind.

Das daraus entwickelte Politikverständnis wird nach Ansicht von Ernst mit über die Zukunft einer Partei entscheiden, deren Mitglieder überwiegend das Rentenalter erreicht haben und die zuletzt bei Wahlen vor allem junge Frauen oft nicht recht überzeugen konnte. Junge Mandatsträgerinnen könnten durch schiere Präsenz und ihre Politikansätze »diese soziokulturelle Barriere senken«, sagt Kipping. Ernst formuliert schlichter: »Wenn wir nicht jetzt auf junge Leute setzen«, sagt die Landeschefin, »sind wir verloren.«

Das sieht mancher Genosse anders. Es dürfte kein Zufall sein, dass vor allem die Nominierung junger Frauen vor der Landtagswahl in der sächsischen PDS zu heftigen Zerwürfnissen führte. Bei Grabenkämpfen im Dresdner Stadtverband wurde immer wieder auch gegen die »Jugendbrigade« um Kipping geschossen; in Leipzig richten sich die Animositäten gegen das Abgeordnetenbüro »Linxxnet«, das von Werner mitbetrieben wird. Die landesweit anerkannte Bildungspolitikerin schaffte es wegen der Widerstände im eigenen Stadtverband nur auf Listenplatz 29 – kaum ein Beispiel für durchdachte »Kaderentwicklung«.

Beobachter sehen die Konflikte als Folge davon, dass die jungen

 

Konflikte, weil die jungen Frauen auch ihren Kopf durchsetzen

 

Frauen nicht mehr nur ihr Gesicht für die PDS zeigen, sondern auch ihren Kopf durchsetzen – und damit um Mandate und Posten konkurrieren. Gerade die Querelen in Leipzig belegen zudem, dass mit den Generationen auch Politikkonzepte aufeinander prallen. Die Betreiber des »Linxxnet« öffnen ihr Büro für Diskussionen und Kontakte mit Initiativen, Vereinen und Bewegungen unterschiedlichster Art. Werner spricht von »emanzipatorischer Politik«, die auf Kommunikation und Transparenz setzt. Kritiker werfen den »Linxxnet«-Aktivisten vor, dabei die Basisarbeit zu vernachlässigen – ein absurdes Argument, meint

 

»Basisarbeit« kontra emanzipatorische Politik

 

Werner: »Man muss PDS-Politik schließlich in die Gesellschaft tragen.«

Den Vorwurf mangelden Engagements an der Basis bekam auf dem Listenparteitag auch Bonk zu hören. Der Widerstand wird zudem in wohlmeinende Ratschläge gekleidet. Christine Ostrowski, die Grande Dame der Dresdner PDS, hält Bonk noch für zu unerfahren, um im Landtag mitzumischen. Die Ex-Abgeordnete, die in ihrem Amt stets von engen Kontakten zu Verbänden und Unternehmen profitierte, empfahl der Abiturientin zunächst die Mühlen der kommunalpolitischen Ebene, bevor sie in fünf Jahren in den Landtag rücken sollte: »Dann ist sie immer noch erst 23 Jahre alt.«

Die Ex-Schülersprecherin hält derlei Bedenken für verfehlt: »Ich habe schon ein paar Jahre Landespolitik hinter mir.« An der Fähigkeit zur Selbstbehauptung scheint es ihr nicht mehr zu mangeln: Im Schülerrat behauptete sich die Achtklässlerin zunächst gegen ältere Semester und trimmte das Gremium später auf einen stark politischen Kurs. Bonk, die nach dem Lehrerinnenmord von Meißen im Jahr 1999 aus einer »empörten Gruppe« von Schülern heraus zur Politik kam, forderte dabei nicht nur ein energisches Umsteuern im Bildungswesen. Gemeinsam mit Mitschülern profilierte sie ihr Gymnasium auch bei den Protesten gegen den Irak-Krieg.

PDS-Chefin Ernst spricht von einem »enormen politischen Talent« und weist Hinweise auf mangelnde Erfahrung zurück: »Ich war mit 18 auch noch nicht fertig.«

Die derart Gelobte trotzt ihren Kritikern nicht nur, sondern sucht ihnen auch den Wind aus den Segeln zu nehmen: Im Herbst will Bonk nicht nur in den Landtag rücken, sondern auch ein Studium beginnen. Freilich: Auch dabei geht es zunächst ausschließlich um Politik, wenngleich aus wissenschaftlicher Sicht. Im zweiten Wunschfach Geschichte ist Bonk, die neben Hermann Hesse auch Rosa Luxemburg liest und dieser zeitweilig auch in ihrem Erscheinungsbild nachzueifern scheint, mit einer Abiturnote von 2,1 nicht zum Zuge gekommen.

Das bereitet ihr derzeit ebenso wenig Sorge wie mütterliche Bedenken einer kritischen Genossin, ihr PDS-Engagement könne angesichts der politischen Verhältnisse in Sachsen hinderlich für die noch nicht einmal begonnene Berufslaufbahn sein. In Frankreich, kontert die zweisprachig ausgebildete Abiturientin, hätten Sozialisten ein gutes Renommee: »Ich kann ja nach den fünf Jahren im Landtag ins Ausland gehen.«

 

 

Betonliste und Eigentor – Opposition macht mobil: PDS stellt Kandidaten auf / SPD beschließt Wahlprogramm

Von Gunnar Saft

 

Vier Monate vor der Landtagswahl stimmen sich PDS und SPD auf den Wahlkampf ein. Auf Parteitagen in Dresden und Coswig wurde über Köpfe und Inhalte gestritten.

 

Das komplette Wochenende hatten sich die knapp 300 PDS-Delegierten in die Dresdner Messehalle zurückgezogen, um über ihre Kandidaten auf der Landesliste zu entscheiden. Am Ende war der Aufwand weitgehend umsonst. Statt des üblichen Personalkarussells wurde der Vorschlag des Landesvorstands, der in Eigenregie 40 Bewerber benannt und aussichtsreich platziert hatte, ohne Änderung angenommen.

 

Doch das lag weniger an der Akzeptanz für die einzelnen Bewerber als am umstrittenen Wahlmodus. Anderthalb Stunden dauerte es, bis sich für das komplizierte Verfahren eine Mehrheit fand. Und danach sollten die Kritiker Recht behalten: Gegenkandidaturen zur Vorstandsliste blieben chancenlos, während die von der Parteispitze Gesetzten nicht vom Thron zu stoßen waren.

 

So wurde die 18-jährige Schülerin Julia Bonk gleich von 43 Prozent der Delegierten aus der Liste gestrichen. Trotz des klaren Misstrauensvotums durfte sie aber ihren komfortablen Platz 21 behalten. Zusätzliche Bewerber wie die Dresdner Sportexpertin Barbara Lässig kamen dagegen auch mit fast 50 Prozent der Stimmen nicht mehr ins Vorderfeld.

 

Die Ex-Bundestagsabgeordnete Christine Ostrowski sprach wütend aus, was mancher Anwesende aus Gründen der Parteiräson lieber für sich behielt. „Der Vorstand hat uns eine Betonliste präsentiert. Wir sind zwei Tage nur veralbert worden.“

 

Fraktionschef Peter Porsch – mit 95,1 Prozent erwartet klar zum Spitzenkandidaten gekürt – und Parteichefin Cornelia Ernst (Listenplatz 2) hielten am Rednerpult dagegen. Die Liste sei nicht undemokratisch erstellt worden, rechtfertigten sie sich, um danach zu warnen: Wer jetzt unkultiviert streite, sei eine Gefahr für die Partei. Da hielt mancher Delegierte doch lieber den Mund.

 

Zeit für Porsch und Co., um strategisch Pflöcke einzuschlagen. So will die PDS im Herbst erneut auf mindestens 30 Landtagsmandate und damit auf fast jede vierte Wählerstimme kommen. Weil das nicht reichen dürfte, um die regierende CDU zu kippen, gab es ein Zeichen an die SPD: „Allein schaffen wir keinen Machtwechsel“, mahnte Porsch.

 

„Nicht-Sachse“ Milbradt wird ins Visier genommen

 

Die Angesprochenen tagten zur gleichen Zeit in der Coswiger „Börse“. Doch das sozialdemokratische Spitzen-Duo um Fraktionschef Thomas Jurk und SPD-Chefin Constanze Krehl wollte auf die Offerte nicht reagieren: Über Koalitionen werde nach der Wahl entschieden. Beide umgingen damit einen unausgestandenen Konflikt. Während Jurk Rot-Rot nicht ausschließen will, stellt sich Krehl heftig gegen diese Option.

 

Doch in Coswig gab es für die SPD zunächst keinen Grund, darüber zu streiten. Weil die eigene Landesliste erst im Juni aufgestellt wird, galt der Parteitag vom Wochenende allein dem Wahlkampfprogramm. Da kam es bei den Delegierten bestens an, dass sich Krehl und Jurk kämpferisch gaben. Man wolle und werde gewinnen, riefen beide trotzig in den Saal, obwohl eine aktuelle, von der SPD in Auftrag gegebene Umfrage die Partei nur bei 17 Prozent sieht. Was in anderen Bundesländern Betroffenheit auslösen würde, gilt bei Sachsens Sozialdemokraten jedoch als Hoffnungsschimmer. Wenn man nun im Wahlkampf erfolgreich Themen wie Bildung, Wirtschaft und Arbeit in den Vordergrund stellt, werde man noch mehr eine politische Alternative zur CDU, legte Jurk den erhofften Erfolgskurs fest.

 

Ungewöhnlich scharf attackierte dann auch die Parteichefin das amtierende CDU-Kabinett („Inkompetent, gehört wegen der vielen peinlichen Auftritte ins Guinness-Buch der Rekorde“) sowie Regierungschef Georg Milbradt. Dem warf sie vor, als „Nicht-Sachse“ kein Gefühl für die Sorgen der Bevölkerung zu haben. Jurk attestierte weniger brachial: „Die SPD ist näher am Volk.“

 

Als Jurk schließlich 92 Sekunden stürmischen Beifall erhielt, lobte er noch glücklich die „hervorragende Stimmung in der Partei“. Die erhielt danach aber einen herben Dämpfer. Der klaren Kampfansage der SPD-Spitze folgten nämlich nicht alle Delegierten. Zwar stimmten sie dem Wahlkampfprogramm zu, allein die Präambel, die die regierende CDU zum Hauptgegner erklärte, wurde gekippt – auch eine Antwort auf den internen Koalitionskonflikt.

 

 

Jugendbrigade greift an - Beim Kampf um die begehrten Landtagsmandate droht Sachsens PDS ein heftiger Kampf der Generationen

von Gunnar Saft

 

Wenn die Landtagsabgeordnete Ingrid Mattern heute vor die Presse tritt, fällt in der Sachsen-PDS der Startschuss für einen Wettkampf, der seit langem mit großer Nervosität erwartet wird: der Kampf um die etwa 30 Landtagsmandate, die sich die Partei laut Umfragen bei der Wahl im Herbst erhoffen kann. Die Auseinandersetzung dürfte diesmal besonders hart werden. Vor allem in der Landeshauptstadt Dresden, neben Berlin der größte Parteiverband Deutschlands, hat sich viel Konfrontation aufgebaut. Spätestens, wenn Mattern in ihrer Funktion als PDS-Stadtchefin verkündet, wer mit einem eigenen Wahlkreis – und damit nach den ungeschriebenen Gesetzen auch mit einem aussichtsreichen Platz auf der PDS-Landesliste zur Landtagswahl – bedacht werden sollte, droht der offene Schlagabtausch.

 

Wichtigste Gegenspielerin von Mattern ist dann ausgerechnet eine Kollegin aus der Landtagsfraktion: Katja Kipping. Obwohl erst 26 Jahre alt und gerade mit dem Studium fertig, hat es die junge Genossin bereits weit gebracht – zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden der

PDS. Den Erfolg nutzt Kipping bisher aber anders, als es besonders ältere Genossen von ihr erwarten. Gezielt schart sie junge Leute um sich, die ihrer Meinung nach für einen Generationswechsel in der PDS, besonders aber in der Landtagsfraktion sorgen sollen. Parteiinterner

Spott: die Jugendbrigade. Zu den bekanntesten Mitgliedern gehören die parteilose Landesschülersprecherin Julia Bonk und PDS-Landesvize Michael Leutert, Kippings Lebensgefährte. Da die Mandate für so viel Nachwuchs aber nicht reichen, sorgen Kippings Ambitionen für böses Blut. Der Vorwurf: Die Jungen beißen aus purem Eigennutz PDS-Leistungsträger bei den Nominierungen weg und schwächen nur die Partei. Tatsächlich sind neben Mattern auch die Landesvorsitzende Cornelia Ernst und der Finanzexperte der Fraktion, Ronald Weckesser, auf die Dresdner Tickets angewiesen. Weckesser selbst rät zum Kompromiss. „Wir brauchen einen Mix aus Erfahrung und Neuem.“ Sein Vorschlag: Leute wie Barbara Lässig, Ex-PDS-Mitglied, sportbegeistert und weithin bekannt wegen ihres Einsatzes fürs Dresdner Nacht-Skaten sowie das örtliche Eishockey-Team sollten zusätzlich kandidieren. „Uns würde das nur den Rücken stärken“, ist Weckesser überzeugt, der weiß, dass andere Parteien Lässig längst umwerben. Ob das auch die ehrgeizige Jugendbrigade überzeugt, ist aber unklar.

 

 
  aktuelle Termine per SMS
Mobilfunk-Nummer